BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Karl der Käfer wurde doch gefragt... 

Veranstaltung „Offener Garten“
Auch wir öffneten Ende Juni unseren Garten für alle Interessierten. Besonderen Anklang fand eine von uns angelegte Trockenwiese. Diese Wiese ist durch ihren Blütenreichtum ein Eldorado für Bienen und Schmetterlinge und lädt zum Verweilen ein. Da die Anlage den Besuchern so gut gefallen hat, möchte ich Ihnen mit diesem Bericht Mut machen, in Ihrem Garten ebenfalls eine Blumenwiese anzulegen und seien es nur zwei oder drei Quadratmeter. 

Hierfür wählen Sie einen möglichst sonnigen Standort. Befindet sich dort zurzeit eine Rasenfläche, sollte die Grasnarbe abgetragen werden, da sich in den Wurzeln der Gräser die meisten Nährstoffe befinden. Je nachdem, welchen Boden Sie auf Ihrem Gelände vorfinden, müssen Sie nun den Untergrund etwa spatentief mit Sand vermagern bis ein gut durchlässiger Boden entsteht. Da wir nicht so tief graben wollten, haben wir nach dem Abtragen der Grasnarbe und dem Beimischen von Sand einen Rand aus alten Dachpfannen gesetzt. Auf den vermagerten Boden verteilten wir nun circa 15 bis 20 cm reinen Sand. Nach meinen Recherchen enthält Sand geringe Anteile Lehm, ist also nicht ganz ohne Nährstoffe. Als letzte Schicht brachten wir 1 cm Pflanzerde als Keimbett auf. Auf diese Weise entstand ein extrem magerer, schnell abtrocknender Untergrund. Sollten Sie eine alte, ungenutzte Sandkiste in Ihrem Garten haben, können Sie auch diese zur Blumenwiese umgestalten. Dazu müssen Sie alle Gräser und Wildkräuter entfernen. Die Sandkieste sollte keinen Boden haben und nicht allzu tief sein (wie oben bereits beschrieben ca. 15 bis 20 cm), ansonsten können die Blumen nicht richtig wurzeln. Entsprechend diesem Boden wird nun die Saat zusammengestellt. Wir wählten eine Wiesenmischung ohne Gräser der Firma Rieger und Hofmann (info@rieger-hofmann.de). Weitere Lieferanten für sortenreines heimisches Saatgut sind zum Beispiel die Dreschflegel GbR (info@dreschflegel-saatgut.de) oder Bingenheimer Saatgut AG (info@bingenheimersaatgut.de).  Am einfachsten ist es, wenn Sie einen Katalog anfordern, um einen Überblick über die möglichen Saaten zu erhalten. Die Wahl des richtigen Saatgutes für eine Fläche ist insofern besonders wichtig, da jede Pflanzengesellschaft ihre besonderen Bedürfnisse hat. Auf einem nährstoffreichen trockenen Boden wachsen andere Pflanzen, als auf einem nährstoffreichen feuchten Boden. Ein sonniges Beet beherbergt andere Pflanzen als ein halbschattiges Beet. Die größte Artenvielfalt findet sich in der freien Natur auf, wie von uns künstlich geschaffenen, extrem mageren und trockenen Böden in voller Sonne. Fast jedes Saatgut können Sie mit oder ohne Grasanteil bekommen. Hierbei handelt es sich um speziell ausgewählte Gräser, die zu den vorgegebenen Standorten in Verbindung mit den entsprechenden Blumen passen. Je nach Wahl werden die Wiesen in der Regel ein bis zwei Mal jährlich gemäht. Unsere Wiese wird nur 1 Mal, im Herbst oder im frühen Frühjahr gemäht und ist dadurch wenig arbeitsintensiv. Die Einsaat erfolgt entweder im Frühjahr von März bis Mitte Mai, oder im Herbst. Wir haben mit dem Herbsttermin gute Erfahrungen gesammelt, da der Boden zu diesem Zeitpunkt noch warm ist und der Niederschlag häufiger als im Frühjahr. Denn das Saatgut braucht für die Keimung gute drei Wochen Feuchtigkeit. Außerdem enthält jedes Saatgut sogenannte Frostkeimer. Das sind hartschalige Saatkörner, die Frostperioden brauchen, damit die Schale aufplatzen kann. Ansonsten sind unsere heimischen Pflanzen Lichtkeimer. Das heißt, die Saat wird auf den leicht geharkten Boden aufgebracht und anschließend nur angewalzt oder festgetreten ohne die Saat mit Erde zu bedecken. Im ersten Jahr erscheinen dann, wie bei uns die ein bis zwei jährigen Pflanzen, um schnell einen ersten Blühaspekt zu erhalten. Die ausdauernden Blumen zeigen sich in den nächsten Jahren. So braucht eine Blumenwiese mehrere Jahre bis sich ein Gleichgewicht hergestellt hat. Entsprechend dem Standort, den Temperaturen und der Niederschlagsmenge dominieren jedes Jahr andere Pflanzen. Auf diese Weise ist die Entwicklung unserer Blumenwiese immer wieder spannend.  Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Planung und Anlage und viel Erfolg! 

Annette Hinz

 

 

Quelle: http://kg-ploen.bund.net/ueber_uns/ortsgruppe_schwentinental/karl_der_kaefer_wurde_doch_gefragtveranstaltung_offener_garten/