Wasserfledermaus, Foto: Annette Hinz
Mückenfledermaus, Foto: Annette Hinz
Nistkasten, Foto: Annette Hinz
Rote Lichtnelke, Foto: Annette Hinz
Weiße Lichtnelke, Foto: Annette Hinz

Fledermäuse 

In Schleswig – Holstein gibt es fünfzehn Fledermausarten. Sechs davon in Schwentinental. Fledermäuse sind die in Mitteleuropa am stärksten vom Aussterben bedrohten Säugetiere. Sie und ihre Lebensräume sind deshalb streng geschützt. 

Fledermäuse können je nach Art, zwischen 3 und über 15 Jahre alt werden. Sie bringen pro Jahr, im Juni oder Juli, nur 1 Junges zur Welt. Ausnahmen sind die Zwerg-, die Zweifarbfledermaus und der Abendsegler. Bei diesen Arten sind Zwillingsgeburten nicht selten. Die Jungen sind bei der Geburt nackt und haben noch geschlossene Augen. Sie können sich aber sofort an der Mutter festhalten, um gesäugt zu werden. Geht die Mutter des Nachts auf Beutefang, bleiben die „Kleinen“ zunächst in der Wochenstube zurück. Diese Wochenstuben bestehen nur aus weiblichen Tieren und ihrem Nachwuchs. Sie befinden sich in der Regel jedes Jahr in den gleichen Quartieren. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, solche Unterkünfte zu erhalten. Nach 4 bis 8 Wochen sind sie flugfähig und beginnen, zunächst mit der Mutter gemeinsam, zu jagen. 

Da Fledermäuse nur in der Nacht aktiv sind und nicht besonders gut sehen können, haben sie eine andere Strategie entwickelt, um ihre Beute zu finden. Sie sehen mit den Ohren. Während der Jagd stoßen sie fast ununterbrochen Laute mit dem Mund, manche Arten auch mit der Nase aus. Etwa 5 bis 20 Echoortungsrufe pro Sekunde. Treffen diese Schallwellen auf ein Hindernis, werden sie zur Fledermaus zurück geworfen. Das Tier erkennt auf Grund der Resonanz, wo sich ein Hindernis bzw. die Beute befindet und wie groß diese ist. Diese Rufe liegen in einem Frequenzbereich zwischen 19 und 25 kHz bei den „größeren“ Tieren (von Menschen mit sehr guten Ohren gerade noch hörbar) und maximal 65 kHz bei „kleinen“ Fledermäusen. Je näher sie der Beute kommen, desto schneller wird der Ruf. Für eine Ortung während des Fluges benötigt man deshalb einen Detektor, der die Rufe für uns hörbar macht. Aber auch ohne Detektor kann man ihr Treiben gegen einen hellen Nachthimmel ganz gut beobachten. Besonders in der Nähe von Gewässern befinden sich interessante Jagdgebiete für Fledermäuse, da es hier sehr viele Insekten gibt. Im Schwentinepark (OT Raisdorf), in der Nähe des knik hus entsteht gerade ein neuer Lehrpfad über die Jäger der Nacht mit vielen lehrreichen Tafeln. 

Wie die Höhe ihrer Rufe unterscheidet sich auch das Jagdverhalten der einzelnen Fledermausarten. In der frühen Dämmerung ist der Große Abendsegler zu beobachten. Er gehört zu den großen Arten und ist etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel. Seine Flügelspannweite beträgt bis zu 40 cm und er wiegt bis zu 40 Gramm. In einer Flughöhe von 10 bis 50 m über dem Erdboden jagt er über Wäldern, Seen, Ackerland, aber auch über Siedlungen zumeist größere Insekten. Dabei ist er bis zu 50 km/h schnell. Mit seinen kräftigen Zähnen ist er in der Lage, auch die festen Panzer großer Käfer zu knacken. Während des Sommers lebt er in alten Baumhöhlen aber auch in Fledermauskästen im Wald. Er ist in der Roten Liste der Säugetiere als gefährdet eingestuft. 

Kurze Zeit später erscheinen dann Zwerg- und Mückenfledermaus und die Breitflügelfledermaus. Die Mückenfledermaus ist unsere kleinste Fledermaus. Ihre Flügelspannweite beträgt weniger als 18 cm und sie wiegt nur maximal 7,5 g. Die Mückenfledermaus jagt bevorzugt in Waldgebieten mit Gewässernähe. Sie verspeist eher kleine Fluginsekten. Ihre Sommerquartiere befinden sich hauptsächlich in Fledermaus- und Vogelnistkästen im Wald, Wochenstuben sind aber auch in und an Bauwerken zu finden. Danach kommen die Braunen Langohren, die zu den Waldfledermäusen gehören. Dort fliegen sie sehr langsam und lauschen nach den Krabbelgeräuschen ihrer Beutetiere. Als letzte erscheint dann die Wasserfledermaus. Diese gehört mit einer maximalen Flügelspannweite von 27,5 cm und einem Gewicht von höchstens 15 g ebenfalls zu den kleinen Tieren. Sie jagt fast nur über Gewässern, die sich in leicht bewaldeten Landschaften befinden. Die Wasserfledermaus fliegt dicht über dem Wasser in relativ geraden Bahnen und fängt dort kleine Insekten. In einer Nacht kann sie bis zu 200 km Flugstrecke bewältigen. Die Sommerquartiere und Wochenstuben befinden sich in Baumhöhlen, Nistkästen aber auch in Gebäudespalten. Sieht man des Nachts Fledermäuse um Straßenlaternen fliegen, handelt es sich entweder um die Zwergfledermaus, oder die Breitflügelfledermaus. Diese jagt in 3 bis 10 m Höhe in Gärten und an Waldrändern. Beide Arten fühlen sich in der Nähe menschlicher Behausungen wohl. 

Wie bereits erwähnt, stehen alle Fledermäuse unter Schutz und bedürfen dringend unserer Hilfe. Was also können wir tun? Zunächst einmal sollten wir sie in ihrer natürlichen Umgebung nicht stören. Gewässer und deren Ufervegetation sollten erhalten bleiben. Alte Baumbestände in Gewässernähe sind für einige Fledermausarten äußerst wichtig. Dort beziehen sie gerne ausgediente Specht Höhlen. Aber auch unsere Behausungen werden als Quartier gerne genutzt. Holzverschalungen an Giebeln, Fensterläden oder Spalten sind geeignete Verstecke. Meist merkt man gar nicht, dass sich eine Fledermaus einquartiert hat. Zu erkennen ist dies nur an den Kotkrümeln unter der Schlafstelle. Aber durch Renovierung, Abdichten der Gebäude und das Verwenden giftiger Holzschutzmittel werden auch diese Quartiere rar. Eine Möglichkeit, den Tieren zu helfen, ist das Anbringen von sogenannten Flachkästen an der Außenfassade eines Hauses. Die Tafeln sollten Richtung Süd oder Ost am besten unter dem Dachüberstand befestigt werden. Hierfür eignet sich der Giebel eines Hauses. Die Höhe muss mindestens 3 m betragen, höher wäre günstiger. Alle Fledermäuse brauchen einen freien Anflug. Es sollten sich keine Hindernisse im Umkreis von ca. 1 Meter vor und unter dem Einflug befinden. Die Quartiere dürfen nachts keinesfalls durch Lampen oder Scheinwerfer angestrahlt werden. Es sollten auch keine Bewegungsmelder in der Nähe sein, die durch die Fledermäuse ausgelöst werden können. Diese Flachkästen aus Holz kann man selber bauen. Bauanleitungen finden Sie im Internet. Bitte verwenden Sie trockenes, abgelagertes Holz, das nicht mehr „schrumpft“. Es muss unbedingt sägerauh und nicht behandelt sein. Es empfiehlt sich  den Kasten mit einer Pappe zu benageln, denn Fledermäuse mögen keine Zugluft. Eine andere Möglichkeit sind Rundkästen aus Porenbeton, die man allerdings ein Mal im Jahr reinigen muss. Hier haben sich schwarze Kästen bewährt, denn Fledermäuse haben es gerne warm. Bevorzugt werden Rundkästen mit einer doppelten Vorderwand bezogen. In diesen Kästen befindet sich hinter dem Einflugloch eine Platte aus Holz. Die Rundkästen eignen sich für die Anbringung zum Beispiel an Bäumen. Auch hier muss die Höhe und der freie Einflug beachtet werden. Häufig bedarf es etwas Geduld bis die angebotenen Quartiere angenommen werden und manchmal geschieht dies auch gar nicht. Denn Fledermäuse sind sehr eigen in ihrer Quartierwahl. Wenn möglich befestigen Sie Kästen verschiedener Bauart an unterschiedlichen Stellen. Haben diese nach 3 bis 4 Jahren keine Bewohner,  sollten Sie es an anderen Plätze versuchen. Das alles lohnt natürlich nur, wenn Sie auch Fledermäuse in Ihrem Umfeld beobachten konnten. Aber nicht nur Quartiere sind wichtig für die Tiere sondern auch genügend Nahrung. Auch hier können Sie helfen. Zur Beute der Fledermäuse gehören außer Mücken, Schnaken, Spinnen und Käfern auch Nachtfalter. Diese Schmetterlinge bevorzugen Pflanzen, die besonders in der Dunkelheit ihren Duft verströmen. Dazu gehören Weiße und Rote Lichtnelke, die Gewöhnliche Nachtkerze, Nachtviole, Wegwarte und einige mehr. Die Raupen dieser Nachtfalter leben in und von hohen Gräsern, so dass es von Vorteil ist, ein Stück des Rasens zur Wiese werden zu lassen. Bitte helfen Sie mit, damit diese Tiere der Nacht auch weiterhin ein Zuhause haben. 

Am Freitag, den 21.8. um 20.30 h findet unter Leitung meines Kollegen Herrn Ulrich Markmann-Mulisch eine Fledermausführung statt. Treffpunkt ist der Eingang des Bürgerhauses/Stadtwerke Seebrooksberg 1 im OT Klausdorf. Von dort führt die Wanderung in das Landschaftsschutzgebiet an der Schwentine. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel.: 0431/7299565. Bei Regen muss die Veranstaltung leider ausfallen. 

Annette Hinz, BUND



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